Gründerszene: In Kiel tut sich jede Menge!

#startupSH - Ein Bericht aus der Gründerszene Schleswig-Holsteins
#startupSH – Ein Bericht aus der Gründerszene Schleswig-Holsteins

 

Die Kieler Nachrichten haben kürzlich unter dem Titel “Gründer meiden den Norden bislang” über die Veranstaltung “Kiel, be innovative” der Friedrich-Naumann-Stiftung berichtet. Der Bericht der Kieler Nachrichten ist eine schöne und wie es scheint notwendige Gelegenheit, den Status Quo der Gründungszene in Schleswig-Holstein.de aus Sicht der Beteiligten darzustellen. Aus Sicht der Szene rund um #startupSH. Dieser Kommentar spiegelt meine persönliche Meinung wieder. Sollte ich Initiativen vergessen haben, können diese gerne in den Kommentaren ergänzt werden.

Eine Szene, die sich bewusst hier etabliert, obwohl sie problemlos auch in Berlin oder Hamburg mit ihren Ideen bestehen könnte. Allein Goldeimer Komposttoiletten, my Boo — Bamboo Bikes oder Light Instruments haben mittlerweile jeweils mehr als 10 Mitarbeiter:innen. Unverpackt : Der Laden der anderen Art hat aus Kiel heraus einen neuen verpackungsfreien Standard für ganz Deutschland und Europa gesetzt.

BarCamp Kiel
BarCamp Kiel | Foto: Christoph Bechtel

Der obige Artikel vermittelt leider ein unausgewogenes Bild und schätzt nicht die Arbeit der vielen unbezahlten und bezahlten Ermöglicher:innen. Initiativen, wie beispielsweise der WebMontag Kiel haben bereits vor 10 Jahren damit begonnen, ein innovationsfreundliches Klima zu schaffen. Unbezahlt. Aus Leidenschaft. Genau wie die vier BarCamps (BarCamp Kiel, Barcamp Flensburg, Beachcamp NF und Barcamp Lübeck), die wir mittlerweile in und für Schleswig-Holstein haben. Neben den Hoch- und Fachhochschulen, ein entscheidendes informelles Netzwerk und Fundament, der sich stetig vergrößernden Gründungsszene dieses Landes.

Darüber hinaus ist Deutsche Startup Monitor, auf den sich im Artikel bezogen wird, eines nicht: repräsentativ. Die Teilnahme an der Erhebung ist freiwillig, weshalb die Ergebnisse nicht repräsentativ sein können, wie es auch in den Anmerkungen zum Forschungsdesign heißt: “Der DSM 2016 umfasst keine Vollerhebung aller Startups in Deutschland, kann angesichts der unbekannten Grundgesamtheit in Deutschland keine Repräsentativität für sich beanspruchen und dient dementsprechend vor allem dazu, einen ersten Eindruck über die Startup-Szene in Deutschland zu vermitteln.” (weitere Informationen dazu hier)

Anders als es der Artikel vermuten lässt, ist hier in Kiel und Schleswig-Holstein in letzter Zeit wirklich viel ins Rollen gekommen. Lassen sie mich das als Antwort auf diverse Zitate aus dem Artikel kurz aufzeigen:

1. “Es fehlen frische Strukturen, um Gründer nachhaltig zu binden”: Was ist mit Yooweedoo Changemaker, Alte Mu Impuls — Werk e.V., starterkitchen.de, Fablab.sh — Kiel, opencampus.sh, toppoint, WebMontag Kiel, den Barcamps, dem Projektbüro_Muthesius, Exist@Muthesius, dem #StartupOffice der FH Kiel, dem Zentrum für Entrepreneurship, der Kultur- und Kreativwirtschaft Kiel, der Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi), der KielRegion, dem Women Entrepreneurship Mentoring Program, der IHK zu Kiel und vielen mehr? Dort kommen engagierte, tatkräftige Leute mit spannenden Ideen in die Umsetzung. Egal ob als Projekt, als Startup oder in Kooperation mit Vereinen oder Unternehmen. Allein auf Facebook folgen diesen Initiativen über 11.000 Menschen. Dieses Statement verprellt alle, die aus diesen Strukturen erfolgreich hervorgegangen sind.

2. “Bereits in den Schulen sollte vermittelt werden, welche Chancen und Risiken das Unternehmertum bietet”. Guter Punkt. Wir können und sollten sicher noch mehr machen, doch ein Auftakt ist gemacht. Der Young Economic Summit (YES!) vermittelt Schülerinnen und Schülern Informations- und Medienkompetenz, Verantwortlichkeit und ökonomische Bildung. Ein Kooperationsprojekt von ZBW — Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, der Joachim Herz Stiftung und dem Institut für Weltwirtschaft. Gefördert durch die Joachim Herz Stiftung konnte auch die Social Entrepreneurship Initiative SEEd seit 2012 in Zusammenarbeit mit der Uni Flensburg, der Fachhochschule Kiel, der Kiwi und dem Wissenschaftszentrum schätzungsweise 1500 Schülerinnen und Schüler erreichen.

3. “Es müssen auch Ideen gefördert werden, die nicht jedes bisher definiertes Kriterium erfüllen”. Genau, und das tut die starterkitchen z.B. mit der Prototypingweek, einem Rahmen, der Raum für alle! Ideen und deren Umsetzung bietet.

Ein anderes Beispiel dafür ist das InnovationCamp, das seit fünf Jahren in Kooperation mit der FH Kiel stattfindet.

Auch beim Startup Projekt können interessierte, zukünftige Gründer:innen Ihre Ideen mit Hilfe von Coaches umsetzen.

4. Eine bessere “Willkommenskultur” wird gefordert. Eine Willkommenskultur braucht es, das stimmt. Aber die gibt es auch. Die Tür steht offen. Jeden Mittwoch z.B. sind alle herzlich zum offenen Gründer:innenfrühstück in die starterkitchen.de in der Kuhnkestraße 6 in 24118 Kiel eingeladen. Ab 9:30 Uhr gehts los! Kennenlernen, austauschen und reinschnuppern in lockerer und offener Atmosphäre. Alles kann, nichts muss: instagram.com
Anmeldung kann, muss aber auch nicht: meetup.com

5. “Die Rahmenbedingungen für Existenzgründer scheinen nicht zu stimmen”: Auch hier bleibt die Arbeit der genannten Initiativen unbeachtet. Zudem, was ist mit dem neuen Gründerstipendium des Landes SH? Erfahrungen dazu gibt es bei Gründer:innen, mit denen man sich z.B. beim Frühstück (siehe Anmerkung 4) austauschen kann.

6. “Die Gründer wollen von Praktikern beraten werden und daraus lernen.” Das stimmt, doch auch hier: es findet statt. Dafür hat z.B. opencampus eigene semesterbegleitende Sessions ins Leben gerufen. Nicht zuletzt sitzen in den verschiedenen “frischen Strukturen” genau diese Praktiker:innen, die sich längst von Anfänger:innen hin zu kompetenten Ansprechpartner:innen entwickelt haben.

Die Startup-Veranstaltungen von opencampus.sh
Die Startup-Veranstaltungen von opencampus.sh

 

7. Außerdem, so der Artikel, sei die Zahl der Ansprechpartner:innen zu unübersichtlich. “Das müsste bei einem Dienstleister gebündelt werden”: All die “frischen Strukturen”, die es de facto in Kiel gibt, sind eindringliches Beispiel dafür, dass diese Forderung an der Realität von Gründungsinteressierten vorbeigeht. Berlin ist nicht Startup Hauptstadt Europas geworden, weil es dort so geordnet und koordiniert zugeht.

Drei Fragen als Fazit

  1. Welche Landesregierung lässt sich hacken?
  2. Welches Bundesland schickt mit Lillebräu und der FISCHBAR Kiel zwei Startups zum Tag der Deutschen Einheit, um das Bundesland zu repräsentieren?
  3. Welches Bundesland bringt ein internationales #Startup Festival an die Waterkant?

Richtig, Schleswig-Holstein.de. Wir freuen uns schon jetzt auf das jährliche Klassentreffen von #startupSH laden alle herzlich dazu ein. SAVE THE DATE 15.-16. Juni 2017:

In diesem Sinne einen schönen Gruß aus der starterkitchen.de 🙂

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